Warum die Auswahl der richtigen KPIs so entscheidend ist
In vielen Betrieben ist die Ausgangslage ähnlich: Daten liegen in großer Menge vor, aus Maschinen, BDE-Terminals, ERP, Qualitätsmanagement oder verschiedenen Excel-Auswertungen. Dennoch bleibt häufig das Gefühl, „im Nebel“ zu steuern.
Typische Symptome sind:
- Verbesserungsmaßnahmen, deren Wirkung sich nur schwer nachweisen lässt
- Besprechungen, in denen unterschiedliche Datengrundlagen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen
- Projekte im Umfeld von MES, Automatisierung oder Energiecontrolling, deren Nutzen sich nur vage beschreiben lässt
Die Ursache liegt oft nicht in der technischen Infrastruktur, sondern in der fehlenden Fokussierung auf wenige, klar definierte Kennzahlen mit hoher Relevanz. Ein Kennzahlensystem, das operative Kennzahlen aus dem MES mit einer wirtschaftlichen Sicht verbindet, schafft hier Abhilfe. Energie- und Verbrauchsdaten gehören von Anfang an zu dieser Datengrundlage, auch wenn die eigentliche wirtschaftliche Bewertung häufig in Controlling- oder BI-Systemen erfolgt.
Wie lassen sich Produktionskennzahlen und wirtschaftliche Kennzahlen unterscheiden?
Ein Kennzahlensystem muss ein realistisches Bild der Lage liefern und zugleich im Alltag handhabbar bleiben. In MES-Projekten hat sich eine Struktur mit zwei Ebenen bewährt.

Operative Fertigungskennzahlen
Diese Kennzahlen beantworten die Frage, wie gut Anlagen und Prozesse tatsächlich laufen – technisch, organisatorisch und energetisch.
Dazu zählen unter anderem Gesamtanlageneffizienz (OEE) mit ihren Treibern Verfügbarkeit, Produktivität und Qualitätsrate, ergänzt um Ausschussquoten, Durchlaufzeiten und energiebezogene Kennzahlen.

Wirtschaftliche Kennzahlen
Diese Kennzahlen zeigen, welche Auswirkungen die operativen Verbesserungen auf Kosten und Ergebnis haben.
Typische Beispiele sind eingesparte Betriebskosten inklusive Energie, reduzierte Audit-Aufwände oder der ROI von Investitionen in MES, Automatisierung und Infrastruktur. In der Praxis berechnet das Controlling oder ein BI-System diese Größen aus Daten aus MES, ERP und Energiedatenerfassung.
Die nachfolgenden Abschnitte vertiefen die wichtigsten Kennzahlen je Ebene und ordnen diese in den Gesamtkontext eines MES ein, dass eine Produktionsüberwachung und Energiecontrolling integriert unterstützt.
Operative Kennzahlen als Steuerungsgröße im Shopfloor
Damit der Shopfloor nicht nach Gefühl, sondern nach Fakten gesteuert wird, braucht es Kennzahlen, die Stärken und Schwachstellen der Produktion klar und nachvollziehbar sichtbar machen.
Gesamtanlageneffizienz (OEE)
OEE bündelt Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate zu einer Kennzahl und zeigt, welcher Anteil der theoretisch möglichen Leistung tatsächlich erreicht wird.
Verfügbarkeit
Verfügbarkeit zeigt, welcher Anteil der geplanten Zeit tatsächlich produktiv genutzt wird, und macht Stillstände, Störungen sowie Rüstzeiten transparent.
Leistungsgrad
Der Leistungsgrad beschreibt, ob die geplanten Mengen in der vorgesehenen Zeit erreicht werden oder ob Taktverluste und Leistungsabfälle auftreten.
Qualitätsrate und Ausschussquote
Qualitätsrate und Ausschussquote bilden ab, welcher Anteil der produzierten Teile Gutteile sind und wie stark Nacharbeit oder Ausschuss die Fertigung belastet.
Durchlaufzeit je Bauteil oder Auftrag
Die Durchlaufzeit zeigt, wie lange Aufträge vom Start bis zur Fertigmeldung tatsächlich unterwegs sind und an welchen Stellen Verzögerungen im Materialfluss entstehen.
Energiekennzahlen in der Produktion
Energiebezogene Kennzahlen machen sichtbar, wie viel Energie Maschinen, Linien oder Fertigungsbereiche verbrauchen und wie effizient dieser Verbrauch im Verhältnis zu Output und Produkt ist.
Wirtschaftliche Kennzahlen – wann sich die Investition rechnet
Die genannten operativen Kennzahlen bilden die Grundlage, reichen für die Bewertung von Projekten jedoch nicht aus. Für Investitionsentscheidungen im Umfeld von MES, Automatisierung und Energiecontrolling kommen zusätzliche wirtschaftliche Kennzahlen hinzu. In der Regel leitet das Controlling oder ein BI-System diese Größen aus den technischen Daten ab.
- Einsparung von Betriebskosten
Fasst Effekte, wie weniger Stillstände, geringeren Ausschuss, reduzierte Dokumentationsaufwände und einen sinkenden Energieverbrauch in Euro zusammen.
- ROI und Amortisationszeit
Zeigt, ob sich das Projekt im vorgesehenen Zeitraum rechnet und ob die erwarteten Einsparungen tatsächlich realisiert werden.
- Aufwand für Audits und Nachweispflichten
Bildet ab, wie stark ein integriertes MES die Vorbereitung und Durchführung von Audits entlastet und wie schnell Nachweise bereitgestellt werden können.
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Wie lassen sich zentrale Kennzahlen zum Projektstart festlegen?
In der Praxis hat sich ein strukturiertes Vorgehen bewährt, bei dem zunächst eine breitere Liste möglicher Kennzahlen betrachtet und anschließend verdichtet wird. So entsteht Schritt für Schritt ein handhabbares Set.
Sammlung potenzieller Kennzahlen
Im ersten Schritt entsteht eine Liste aus operativen Fertigungskennzahlen sowie wirtschaftlichen Kennzahlen.
Bewertung anhand klarer Kriterien
Anschließend bewerten Verantwortliche aus Produktion, Qualität, Controlling und IT diese Kennzahlen gemeinsam. Wichtige Kriterien sind:
- Beeinflussbarkeit: Kann die Kennzahl durch konkrete Maßnahmen im Projektzeitraum verbessert werden.
- Messbarkeit: Sind erforderliche Daten vorhanden oder mit vertretbarem Aufwand über MES und angebundene Systeme wie ERP oder BI erfassbar.
- Verständlichkeit: Verstehen alle beteiligten Bereiche die Kennzahl.
- Strategische Relevanz: Zahlt die Kennzahl auf Unternehmensziele wie Lieferfähigkeit, Qualität, Kosten und Nachhaltigkeit ein.
Auswahl von drei bis fünf zentralen Kennzahlen
Schließlich bleiben drei bis fünf zentrale Kennzahlen übrig. Sie bilden den roten Faden für das Projekt und stehen im Mittelpunkt von Statusberichten, Shopfloor-Meetings und Management-Entscheidungen. Weitere Kennzahlen können ergänzend beobachtet werden, stehen aber nicht im Zentrum der Steuerung.
Durch diese Fokussierung entsteht aus einem MES- oder Digitalisierungsprojekt ein klar steuerbares Vorhaben mit nachvollziehbaren Erfolgsindikatoren – statt einer reinen Technologieeinführung ohne messbaren Nutzen.
Fazit: Kennzahlen als Basis für messbare Verbesserungen
Kennzahlen entfalten ihren Wert erst, wenn sie gezielt ausgewählt und konsistent genutzt werden. Wer wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen wie OEE mit seinen Treibern Verfügbarkeit, Leistungsgrad, Qualität, Durchlaufzeit, Energieverbrauch und ausgewählte wirtschaftliche Größen im MES verankert, schafft eine belastbare Grundlage für Entscheidungen in der Fertigung. Das Whitepaper vertieft diese Kennzahlen, zeigt Berechnungslogiken und Praxisbeispiele und kann als Grundlage für die eigene Kennzahlen- und MES-Strategie dienen.
Bildquellen: N+P




