5 Kriterien für die Auswahl eines PDM-Systems

9. März 2022 Digitalisierung

Produktdatenmanagementsysteme, kurz: PDM-Systeme, sind längst nicht mehr nur für große Konzerne ein elementarer Bestandteil der IT-Infrastruktur. Auch immer mehr kleine und mittlere Betriebe beschleunigen mit einer entsprechenden Software ihre Unternehmensprozesse und reduzieren damit Fehler sowie Kosten. Das richtige PDM-System zu finden ist gar nicht so einfach. Schließlich gibt es nicht die EINE Lösung, die für alle gleich gut funktioniert. Schaffen Sie daher die richtige Entscheidungsgrundlage für Ihre Auswahl.

 

Gute Gründe für ein PDM-System

Ein PDM-System unterstützt dabei die Daten, die sich im Unternehmen ansammeln, zentral zu speichern, zu organisieren und intern, wie auch extern verfügbar zu machen. Das doppelte Abspeichern oder das Nichtauffinden von Dokumenten lässt sich somit vermeiden und Mitarbeiter haben stets Gewissheit, mit der aktuellen Version zu arbeiten. Außerdem ist ein PDM-System die Basis um, Routineaufgaben zu automatisieren und die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern. Der Zeitgewinn und die Fehlerreduktion schlägt sich unweigerlich in einer höheren Kundenzufriedenheit und einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil nieder.

Gründe für ein PDM-System (Quelle: Autodesk GmbH)

Gründe für ein PDM-System (Quelle: Autodesk GmbH)

 

Herausforderungen bei der Auswahl des PDM-Systems

Die Vorteile für ein PDM-System liegen klar auf der Hand. Die Herausforderung ist vielmehr, das zu den Unternehmensprozessen passende System zu finden. Auf dem Markt finden sich zahlreiche Anbieter, die mehr oder weniger ERP- oder CAD-fokussiert sind. Dementsprechend variieren auch die Leistungen. Welche der vielfältigen Angebote das richtige für Ihr Unternehmen ist und am meisten Vorteile bietet, ist sehr individuell und hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Viele Unternehmen machen den Fehler, sich im ersten Schritt mit dem Angebot am Markt auseinanderzusetzen. Der erfolgversprechendere Ansatz ist aber, zunächst bei sich zu starten und eigene Entscheidungskriterien zu definieren, die für Sie, Ihre Mitarbeiter und internen Unternehmensprozesse besonders wichtig sind, bevor Sie sich am Markt nach Anbietern umschauen.

 

5 erfolgsentscheidende Kriterien bei der PDM-Auswahl

 

1. Berücksichtigen Sie die Hauptwertschöpfung

Die wichtigste Frage, die Sie sich noch vor der Recherche zu PDM-Lösungen stellen sollten: Wo liegt die Hauptwertschöpfung in Ihrem Unternehmen? Liegt sie eher in der Konstruktion, im Vertrieb oder einem weiteren Sektor? Genau dieser Bereich sollte auch der Fokus und die Stärke des gewählten PDM-Systems sein. Ist Ihr Unternehmen mehr auf den Handel von Waren als auf deren Konstruktion und Herstellung konzentriert, könnten die Funktionen eines ERP- oder eines Vertriebssoftware-Systems gegebenenfalls auch für die Verwaltung der Konstruktionsdokumente ausreichen.

Wenn Sie aber Ihren Hauptumsatz vor allem durch die Konstruktion generieren, dann sind die PDM-Systeme eines CAD-Hersteller, wie Autodesk® Vault, in der Regel die bessere Wahl. Denn diese Hersteller kennen die Bedürfnisse und Herausforderungen der Konstrukteure genau, bieten entsprechende Features zu deren Unterstützung und besitzen zudem eine erstklassige CAD-Integration. Das bedeutet nicht, dass Sie sich zwischen einer CAD- und ERP-Anbindung entscheiden müssen. Nahezu alle Lösungen am Markt verfügen über jeweilige Schnittstellen zur Anbindung einer CAD- und ERP-Lösung. Autodesk Vault wird fast immer mit ERP-Systemen verbunden eingesetzt, um einen durchgängigen Daten- und Informationsfluss in der gesamten Prozesskette zu gewährleisten. Es geht vielmehr darum, festzulegen, in welchem Bereich die Unterstützung des PDM-Systems größer sein soll.

 

2. Bestimmen Sie die Relevanz von Aktualität und Agilität

Im nächsten Schritt gilt es zu überlegen, wie agil Ihre Arbeitsweise sein soll und wie viel Flexibilität und Freiheit Ihre Konstrukteure benötigen. Ein klassisches Beispiel für maximale Flexibilität ist der Sondermaschinenbau. Die Bauteile und -gruppen sind oft ähnlich, müssen aber bei jedem Auftrag kundenindividuell angepasst werden. Optimierte Kopierfunktionen eines PDM-Systems erlauben an dieser Stelle eine schnelle und unkomplizierte Wiederverwendung und Anpassung von Modellen und Zeichnungssätzen.

Doch die Erfahrung zeigt, dass einfaches und schnelles Kopieren das Risiko unnötiger Dubletten von Teilen erhöht. Mithilfe der „Smart Duplicate Search“ weist Sie z. B. Autodesk Vault nicht nur auf doppelt abgespeicherte Dateien im System hin. Das Werkzeug vergleicht auch die Geometrie in Zeichnungsdateien und zeigt Ihren Mitarbeitern schon während der Konstruktion an, ob für ein bestimmtes Bauteil bereits eine Zeichnung oder ein Modell vorhanden ist. Allerdings muss dafür die Geometrie der Konstruktion zunächst gescannt und indexiert werden, um sie dann mithilfe von mathematischen Algorithmen vergleichen und erkennen zu können. Das setzt eine enge Verzahnung aus CAD- und PDM-Lösung voraus.

 

3. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter mit ein

Ein typisches Werbeversprechen im Zusammenhang mit PDM-Systemen ist der Return on Invest (ROI). Natürlich ist die Wirtschaftlichkeit eines der wichtigsten Entscheidungskriterien für oder gegen ein System. Was Sie dabei nicht aus dem Blick verlieren sollten, sind die Mitarbeiter, die täglich damit arbeiten werden. Auch deren Zufriedenheit sollte in den ROI eingerechnet werden.

Welche Lösung den größten Nutzen für Ihre Teams verspricht, lässt sich hier nicht pauschal beantworten. Daher fragen Sie Ihre Mitarbeiter und prüfen Sie, welche Prozesse und Tools eine Entlastung im Arbeitsalltag bedeuten würden. Analysieren Sie dabei auch, welche Werkzeuge Ihre Mitarbeiter aktuell nutzen und welche Tools gegebenenfalls ungenutzt bleiben. Autodesk Collections bieten vielfältige Autorenwerkzeuge, deren gegenseitige Integration hohe Anforderungen an PDM-Systeme stellt. Als Beispiel gibt es hier die Factory Design Utilities, die eine durchgehende Nutzung von Bibliotheken für 2D-, 3D- oder 4D-Layout-Planungen implementieren. Nehmen Sie das Ergebnis in die Anforderungen an das PDM-System auf, um sicherzustellen, dass Sie hier keinen Punkt vergessen.

 

4. Profitieren Sie von einer automatisierten Konstruktion

Der Trend zur Digitalisierung führt zu Automatisierung von Arbeitsprozessen. Insbesondere bei verzahnten Vertriebs- und Konstruktionsabläufen fokussiert sich die Branche zunehmend auf Design Automation. Design Automation bedeutet, dass Konstruktionswissen personenunabhängig gespeichert wird, sodass Konstrukteure damit CAD-Modelle auf Basis bereits bestehender Modelle automatisiert und mit minimalem Zeitaufwand erstellen und anpassen können. Wenn Sie bereits Design Automation Tools nutzen oder planen, diese zukünftig einzusetzen, sollten Sie auf die Kompatibilität mit dem PDM-System achten.

Wenn Sie die Konstruktion automatisieren, müssen Sie zunächst Zeit und Arbeit investieren, um das Wissen, die Regeln und Abhängigkeiten in Ihrem System zu hinterlegen. Erst wenn diese Grundlage geschaffen wurde, können Sie diese im Anschluss automatisiert auf neue Modelle anwenden. Zum Beispiel in Form eines Produktkonfigurators, mit dem der technische Vertrieb schnell und eigenständig Angebote erstellen kann oder indem Konstrukteure mit wenigen Klicks Bauteile den Konstruktionsrichtlinien entsprechend entwerfen können. Genau hier ist Design Automation auf ein PDM-System angewiesen. Denn das PDM-System speichert das Ingenieurwissen, organisiert es und macht es für den Produktkonfigurator oder das CAD-System zugänglich. Damit das reibungslos funktioniert, müssen CAD-System und PDM-System interagieren und kompatibel sein. Im Idealfall nutzen Sie die Software von gleichem Anbieter. Wenn sie also bereits Autodesk Inventor im Einsatz haben, ist die Kombination mit Vault unschlagbar.

 

5. Nutzen Sie Konvergenzen

Auch die Konvergenz sollte bei der PDM-Auswahl berücksichtigt werden. Konvergenz bedeutet, dass sich bislang voneinander unabhängige Branchen und multidisziplinäre Teams verbinden und so Innovationen hervorbringen. Dabei werden Wissen, Tools und Arbeitsprozesse aus der einen Branche in der jeweils anderen eingesetzt. Diese Entwicklung wird durch die Digitalisierung stark beschleunigt. Auch hier ist der Austausch von Daten die Grundlage, sowohl intern zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen als auch extern mit Partnern. Ein PDM-System schafft die Voraussetzung, indem es die Daten zugänglich und interoperabel macht und dafür sorgt, dass alle Beteiligten mit der aktuellen Version der Dateien arbeiten.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Mit welchen Branchen gibt es Überschneidungen?
  • Wie kann das PDM-System die Zusammenarbeit unterstützen?
  • Welche Collaboration-Plattformen nutzen die jeweiligen Branchen, die mit einem PDM-System synchronisiert sein sollten?

Ein Beispiel der Branchenkonvergenz: Der Einsatz von mechanischem Engineering ist im Kontext eines Bauwerks keine Seltenheit. Es gibt viele Überschneidungspunkte zwischen Architektur, Bauwesen und Fertigung. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Klimagerät in einen vorhandenen Gebäudebauraum eingebaut werden soll und das Gerät an die vorhandenen Räume angepasst, neu zusammengesetzt und verrohrt werden muss. Wenn Sie Vault nutzen, können Sie Ihre Konstruktionsdaten auf einfache Weise mit Lieferanten und externen Beratern verbinden. Außerdem verbessern Sie die interne Zusammenarbeit, indem Sie sicherstellen, dass Teammitglieder außerhalb der Konstruktionsabteilung Zugriff auf die richtige Konstruktionsversion haben.

 

Anwenderbericht DSD NOELL GmbH „Mit intelligentem Datenmanagement lassen sich weltweit Wassermassen bändigen“

Die DSD NOELL GmbH ist spezialisiert auf Stahlwasserbauausrüstungen in Wasserstraßen, Wehr- und Wasserkraftanlagen. Die Geschäftstätigkeit umfasst die ausführungsreife Planung, Fertigung, Montage und Inbetriebnahme von Ausrüstungen für Schleusen, Wehranlagen, Staudämme, bewegliche Brücken und Fähranleger. Seit vielen Jahren sind die Softwarelösungen Autodesk® Inventor® und AutoCAD® Mechanical für die CAD-Konstruktion im Einsatz.

Das Unternehmen arbeitet eng mit eigenen Konstruktionsbüros in Indonesien zusammen. Für die anfallenden Datenmengen reicht eine normale File-Ablage nicht aus und so suchte das Unternehmen nach einer Software, mit der sich Daten und Dokumente vernünftig verwalten lassen und die Replikation der Daten zwischen verschiedenen Standorten sicherstellt. Seit dem Einsatz mit Autodesk® Vault verfügen die Konstrukteure über eine lückenlose Versionshistorie und die  Zusammenarbeit zwischen den Standorten ist wesentlich effektiver geworden. Lesen Sie mehr darüber.

 

Fazit

Die Entscheidung für ein PDM-System bedeutet eine langfristige strategische Entscheidung für Ihr Unternehmen. Daher muss die Auswahl sorgfältig getroffen und alle relevanten Bereiche einbezogen werden. Dieser Blogbeitrag hat gezeigt: Die Auswahl Ihres PDM-Systems sollte die individuellen Anforderungen der CAD-Software in den Mittelpunkt stellen, sobald die Konstruktion den Ursprung der Wertschöpfung im Unternehmen bildet. Deshalb ist es ratsam, zunächst eigene Kriterien zu definieren, die für Ihr Unternehmen wichtig sind und die Mitarbeiter einzubeziehen, bevor Sie sich konkret mit den Angeboten am Markt auseinandersetzen. Anhand der 5 genannten Kriterien können Sie prüfen, ob Ihre Auswahl-Strategie den Anforderungen der Konstruktion und den damit verbundenen Prozessen gerecht wird.

Optimale Reihenfolge Entscheidungsprozess zur PDM-Systemauswahl (Quelle: Autodesk GmbH)

Optimale Reihenfolge Entscheidungsprozess zur PDM-Systemauswahl (Quelle: Autodesk GmbH)

 

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Bildquellen: N+P Informationssysteme GmbH, Autodesk GmbH


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