Autodesk-Lizenzrecht

14. September 2017 AEC/BIM Mechanik

Der heutige Blogbeitrag beschäftigt sich in einer ausgiebigeren Form mit dem Autodesk-Lizenzrecht. Auch wenn es unbequem ist und überhaupt nichts mit Ihrem Kerngeschäft zu tun hat, gibt es einige Stolperfallen und Hinweise. Zusammengefasst haben wir alle relevanten Infos auch in einer Webcast-Aufzeichnung am Ende des Beitrags.

Was ist der Autodesk Software Lizenzvertrag, LSA?

LSA ist die Abkürzung für „License and Service Agreement“ und beschreibt das Autodesk-Lizenzrecht. Es handelt sich um die Nutzungsvereinbarung zwischen der Firma Autodesk und dem Endkunden, dem Anwender bzw. Nutzer der Autodesk Software. Der Vertrag liegt in vielen Sprachen vor und kann während der Installation und danach unter Hilfe → Info über „Produkt“ → Produktinformation → Lizenzvertrag eingesehen werden.

Der Autodesk-Lizenzvertrag muss bei jeder Installation eines Autodesk Produktes bestätigt werden. Ohne Zustimmung ist keine Nutzung/Installation möglich. Für die Hauptprodukte ist der Autodesk Software Lizenzvertrag 21 Seiten lang. Es gibt verschiedene, produktspezifische LSAs und zusätzlich eigene Lizenzverträge für Autodesk Subscription und Cloud Services.

Wichtig:
Mit dem Akzeptieren des LSAs haben Sie auch einem Software-Audit – einer Lizenzüberprüfung – zugestimmt. (Punkt 9.7 Überprüfung)

Autodesk-Lizenzerecht Auszug LSA

Auszug aus dem Autodesk LSA

 

Autodesk Lizenzen im Unternehmen

Das Unternehmen Autodesk definiert als Lizenznehmer das Unternehmen, auf das die Rechnung ausgestellt wird. Die Nutzung von Autodesk-Software in Zweigstellen und Tochterunternehmen ist erlaubt, sofern diese dieselbe Ust-ID-Nummer haben. Eine innerhalb der EU erworbene Autodesk-Lizenz darf nur in der EU eingesetzt werden.

Eine Home-Use-Lizenz ist möglich, wenn ein Maintenance Plan vorliegt. Die Beantragung erfolgt über den Autodesk Account. Eine Home-Use-Lizenz berechtigt die Installation einer Kopie des Produktes bspw. auf einem Heim-PC. Eine gleichzeitige Nutzung von zu Hause und einem Kollegen im Büro ist im Rahmen des Autodesk-Lizenzrecht nicht gestattet.

Autodesk-Lizenzrecht Einsatz von Lizenzen in Tochterunternehmen

Autodesk-Lizenzrecht: Einsatz von Lizenzen in Tochterunternehmen

 

Lizenzoptionen von Autodesk

Ein Auslaufmodell sind Dauerlizenzen. Diese sind nicht mehr neu verfügbar. Bestehende Dauerlizenzen mit Maintenance Plan (Wartungsvertrag) und einer regelmäßigen Verlängerung laufen unverändert auf der erworbenen Autodesk-Version weiter.

Neue Autodesk-Lizenzen lassen sich ausschließlich als ein Laufzeit-Abonnement erwerben. Support und Zugriff auf dieselben Cloud-Services wie bei Dauerlizenzen mit Maintenance Plan (u. a. 25 GB/Lizenz, AutoCAD 360 Pro, ReCap 360 Pro, AutoCAD mobile app, Rendering in A360) sind inklusive. Ein Abonnement kann entweder eine Single-User-Lizenz oder eine Multi-User-Lizenz sein.

Das Single-User-Modell bei Abonnements erfordert aller 30 Tage eine Verbindung zum Internet und ermöglicht einen weltweiten Einsatz der Software (Länder in denen die Software verfügbar ist), wenn diese im Heimatland gekauft wurde. Multi-User-Lizenzen sind von einer weltweiten Nutzung ausgeschlossen. Eine Multi-User-Lizenz oder auch Netzwerklizenz ermöglicht es, praktisch auf jedem angeschlossenen Firmen-Rechner das Autodesk-Produkt zu starten. Ist in der Netzwerklizenz 3 x AutoCAD und 2 x Inventor enthalten, können max. 5 Personen im Unternehmen zur gleichen Zeit mit den Autodesk-Produkten arbeiten. Von diesen 5 Personen können auch nur 3 AutoCAD nutzen, weil nur 3 Lizenzen verfügbar wären. Müssten alle 5 Personen gleichzeitig damit arbeiten, wäre dies nicht möglich.

Umgang mit Vorgänger-Lizenzen im Sinne des Autodesk-Lizenzrecht

Eine Stolperfalle beim License and Service Agreement kann die unbewusst falsche Nutzung von Vorgänger-Versionen sein. Generell berechtig ein Abonnement oder Maintenance Plan den Einsatz von bis zu drei Vorgänger-Versionen. Allerdings dürfen diese nur auf einem Rechner und nicht an unterschiedlichen Rechnern installiert sein (Single-User-Lizenz).

Wird aber der Maintenance Plan (Wartungsvertrag) nicht verlängert, entfällt der Anspruch der Nutzung der Vorgänger-Versionen. Es darf dann nur noch die zuletzt aktivierte oder höhere durch Maintenance erworbene Autodesk Software verwendet werden.

Eine Deinstallation der älteren Software-Versionen innerhalb von 120 Tagen ist notwendig, sonst hat man einen Lizenzverstoß gegenüber der Autodesk begangen. Ein ebenfalls sicher bekannter Lizenzverstoß tritt ein, wenn ein- und dieselbe Seriennummer für mehrere Installationen verwendet wird (Einzelplatzlizenz, sofern nicht mehrere Lizenzen unter einer Seriennummer zusammengefasst sind). Beide Fälle sind sogenannte Falschlizenzierungen.

Autodesk-Lizenzrecht Umgang mit Vorgängerversionen

Autodesk-Lizenzrecht: Umgang mit Vorgängerversionen

 

 

Autodesk-Software richtig deinstallieren

Im Autodesk-Lizenzrecht ist ebenfalls definiert, das auch nicht sauber durchgeführte Deinstallationen bei einer Lizenzüberprüfung zu Problemen führen können. Einfach nur den Ordern C:\Autodesk zu löschen kann ggf. nicht ausreichend sein. Eventuell noch vorhandene Autodesk-Produkteinträge in der Windows-Registrierung können von Autodesk als Vorhandensein einer Lizenz gedeutet werden.

Autodesk Software Audit, eine Lizenzprüfung steht an

An vielen Stellen merkt man, dass die Autodesk verstärkt gegen Raubkopien und Lizenzverstöße ihrer Software vorgeht. Nach welchen Kriterien sich die Autodesk möglicherweise an Ihr Unternehmen wendet, ist unbekannt. Relativ sicher ist, dass diese Aufforderungen zur Lizenzüberprüfung ansteigen und teilweise unbegründet sind.

Wie läuft ein Lizenz-Audit ab?

Der Hersteller kündigt sich meist nur wenige Tage vorher zu einer Lizenzüberprüfung an. Diese Ankündigung erfolgt schriftlich und erfordert die Installation eines Software-Tools zur Überprüfung des installierten Softwarebestandes. Das Überprüfungs-Tool kommt von der Autodesk und scannt sowohl alle Desktop-PCs als auch Notebooks oder externe Rechner. Ein Lizenz-Audit erfolgt auch standortübergreifend, wo wieder die Ust-ID-Nummer relevant wird.

Mit der Ankündigung können Sie es sich auch ersparen, Nachlizenzierungen, Löschungen o. ä. innerhalb des Unternehmens durchzuführen. Mit Versendung der Ankündigung wird das als Auditgrundlage genommen und im Nachgang zusätzlich gekaufte Autodesk-Lizenzen bleiben bei der Audit-Durchführung unberücksichtigt.

Neben dem Tool, was die Überprüfung durchführt und ein Ergebnis präsentiert, müssen Sie als Unternehmen auch Nachweise aus kaufmännischer Sicht über Ihre Lizenzen vorzeigen. Idealerweise auch einen Auszug über alle genutzten/gekauften Lizenzen in Listenform. Stellen Sie sich auch auf Fragen ein wie: „Wer ist der Verantwortliche für Ihr Lizenzmanagement?“ oder „Welche Personen dürfen Autodesk-software installieren?“

Software Asset Management, SAM

Eine Möglichkeit, um ein sauberes Lizenzmanagement zu gewährleisten, ist das Software Asset Management (SAM). Es bezeichnet eine Bündelung von Maßnahmen, um den Softwarebestand eines Unternehmens in alles Lebenszyklen zu verwalten, zu kontrollieren und stets auf dem aktuellsten Stand zu halten.

Oft wird das Lizenzmanagement unterschätzt und am Beispiel von Autodesk Software Audits kann es zu bösen Überraschungen kommen. Aber nicht nur bei Autodesk-Produkten auch bei Office-Anwendungen oder jeglicher anderer Lizenzsoftware hilft und unterstützt SAM. Unsere Erfahrungen sind, dass meist die Verantwortlichkeiten für die Verwaltung von Software in Unternehmen nicht klar geregelt sind. Im Normalfall werden Office-Anwendungen zentral von der internen IT-Abteilung verwaltet und installiert. Weitere Programme, wie CAD-Software oder Zusatz-Tools, die nicht über alle Mitarbeiter Verwendung finden, werden lokal nachinstalliert und von der Fachabteilung verwaltet. Es entsteht eine dezentrale Struktur der Software-Installationen auf den Unternehmensrechnern. Hat das Unternehmen jetzt noch mehrere Standorte, verschärft sich das Thema.

Was also tun, um eine sauberes Lizenzmanagement zu gewährleisten?

Spätestens mit dem oben geschilderten Szenario stellt man fest, dass keine Person alles überblicken und verwalten kann. Ein erster Schritt ist eine vollständige Bestandsaufnahme über das gesamte Unternehmen und die im Einsatz befindlichen Lizenzen. Das zieht im ersten Schritt einen größeren Aufwand mit sich, bietet aber im Nachgang Sicherheit und eine schnelle und kompetente Aussage. Die ganzheitliche Betrachtung der installierten Software zeigt auf, ob jede installierte Lizenz auch genutzt wird, doppelt verwendet oder gar deinstalliert werden kann. Die Integration von Software Asset Management ist als Projekt zu betrachten und muss mit einem Team umgesetzt werden.

Abschließend haben wir Ihnen in einer PDF-Datei zum Download einige Fragen vorbereitet. Wenn auch nur wenige dieser Fragen mit NEIN beantwortet werden müssen, ist es ratsam sich intensiver zu Software Asset Management (SAM) Gedanken zu machen.

Videoaufzeichnung Autodesk-Lizenzrecht

Im Rahmen eines Webcasts haben wir das Autodesk-Lizenzrecht und verschiedene Praxisfälle vorgestellt. Dabei sind wir ebenfalls auf Lizenzmodelle sowie einen Vergleich zwischen SAM und einem Hersteller-Audit eingegangen. Die Aufzeichnung können Sie sich per Klick auf den Button anschauen.


Webcast-Aufzeichnung

 


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